Harninkontinenz – Definition, Symptome und Behandlung

Inkontinenz
Harninkontinenz
Pflegehilfsmittel

Harninkontinenz bezeichnet den teilweisen oder kompletten Verlust der Kontrolle über die Blasenentleerung. In Deutschland leiden etwa 6 bis 8 Millionen Menschen unter Harninkontinenz. Da es aber nach wie vor ein Tabuthema ist und viele Betroffene aus Scham schweigen, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich deutlich höher.

Wann spricht man von Inkontinenz?

Wenn die Fähigkeit den Harn zurückzuhalten verloren geht und es zu unkontrolliertem Harnverlust kommt.

Der Verlust der Blasenkontrolle ist ein recht häufiges und oft sehr peinliches Problem. Die Intensität reicht von gelegentlichem und geringem Harnverlust beim Husten oder Lachen bis hin zu einer plötzlich auftretenden kompletten Blasenentleerung.

Auch wenn die Inkontinenz häufiger bei älteren Menschen auftritt, ist sie nicht ausschließlich bei Senioren zu beobachten. Denn auch jüngere Personen können davon betroffen sein, beispielsweise Frauen nach einer Schwangerschaft oder Personen, die nach einem Unfall vorübergehend an einer Blasenschwäche leiden.

Welche Formen von Harninkontinenz gibt es?

Grundsätzlich spricht man von fünf verschiedenen Formen der Inkontinenz: Der Belastungsinkontinenz, der Dranginkontinenz, der Mischinkontinenz, der Überlaufinkontinenz und der Reflexinkontinenz.

Belastungsinkontinenz

Die Belastungsinkontinenz wird auch Stressinkontinenz genannt. Sie ist die am häufigsten auftretende Harninkontinenzform. Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie öfter betroffen als Männer.

Durch eine Schwächung des Schließmuskels am Blasenhals kann der Harn bei Druck auf die Harnblase nicht gehalten werden. Es kommt zu unwillkürlichem Harnverlust.

Diese Form der Harninkontinenz wird hauptsächlich durch eine schwache Beckenbodenmuskulatur ausgelöst und kann mit einer Stärkung des Beckenbodens recht gut therapiert werden.

Ursachen

Schwächung des Schließmuskels der Harnblase, besonders nach Schwangerschaften, Geburt, hormonelle Veränderungen oder Prostataoperationen. Bei älteren Betroffenen ist die Erschlaffung der Muskulatur auf das fortschreitende Alter zurückzuführen.

Symptome

  • Harnverlust in unterschiedlichen Mengen

Die Schwere der Inkontinenz wird in drei Grade unterteilt:

  • Grad 1: leichter Harnverlust beim Niesen, Husten, Lachen und Heben.
  • Grad 2: leichter bis mittelschwerer Harnverlust bei schnellen Körperbewegungen.
  • Grad 3: leichte bis komplette Blasenentleerung bei jeglicher Bewegung und im Liegen.

Therapie

  • Beckenbodentraining
  • Gewichtsreduktion
  • Hormone
  • Medikamente
  • Operation

Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz verspürt der Betroffene einen plötzlich auftretenden Harndrang, der nicht unterdrückt werden kann. Auch hier werden zwei verschiedene Formen unterschieden:

Bei der sensorischen Dranginkontinenz ist die Wahrnehmung der Blasenfüllung gestört. Durch Entzündungen, Steine oder Tumore entsteht ein frühzeitiges Völlegefühl der Blase.

Die motorische Dranginkontinenz hingegen beruht auf gestörten Nervenimpulsen, welche einen nicht unterdrückbaren Harndrang hervorrufen. Ursachen sind häufig neurologische Erkrankungen, wie etwa Parkinson oder Multiple Sklerose.

Ursachen

  • Gestörte Wahrnehmung der Blasenfüllung durch Entzündungen, Steine oder Tumore
  • Gestörte Nervenimpulse, ausgelöst durch neurologische Erkrankungen

Symptome

  • Häufiger Harndrang mit nur geringen Harnmengen
  • Unfreiwilliger Harnverlust
  • In einzelnen Fällen auch komplette Entleerung der Harnblase

Therapie

  • Beckenbodentraining
  • Blasentraining
  • Hormone
  • Medikamente
  • Stimulation mit Elektroimpulsen
  • Selbstkatheterismus
  • Operation

Mischinkontinenz

Von einer Mischinkontinenz spricht man, wenn Symptome einer Belastungsinkontinenz und einer Dranginkontinenz auftreten. In der Regel ist eine der beiden Formen stärker ausgeprägt als die andere.

Eine Therapie der Mischinkontinenz sollte daher aus einer Kombination beider Behandlungsmethoden, sowohl für die Belastungsinkontinenz als auch für die Dranginkontinenz bestehen. Die Therapieansätze sind in diesen Fällen sehr individuell und richten sich nach der Stärke der Symptome der einzelnen Formen.

Überlaufinkontinenz

Die Überlaufinkontinenz stellt eine besondere Form der Blasenschwäche dar. Hier ist die Blase ständig gefüllt und der Betroffene hat Probleme mit dem vollständigen Entleeren. Da ein ständiger Druck auf der Blase lastet, verliert der Patient tröpfchenweise Urin.

Ursachen

  • Tumore in der Harnröhre
  • Neurologische Erkrankungen

Symptome

  • Abflussbehinderung des Urins
  • Unkontrollierter tröpfchenweiser Verlust des Harns

Therapie

  • Individuelle Ursachenbeseitigung, wie etwa eine Operation
  • Selbstkatheterismus

Rexlexinkontinenz

Durch eine Fehlsteuerung zwischen Gehirn und dem Zentrum im Rückenmark, welches für die Blasenfunktion verantwortlich ist, kommt es in diesem Fall zu einem Kontrollverlust über den Schließmuskel der Blase.

Bei der Reflexinkontinenz werden zwei Formen unterschieden:

Die spinale Reflexinkontinenz zeichnet sich durch ein unkontrolliertes, reflexartiges Zusammenziehen der Blasenmuskel aus.

Wohingegen die supraspinale Reflexinkontinenz aufgrund von Hirnleitungsstörungen den Kontrollverlust über die Blasenentleerung erklärt. In diesem Fall verspüren die Betroffenen keinen Harndrang vor dem Urinieren.

Ursachen

  • Erkrankung oder Verletzung des Gehirns oder Rückenmarks
  • Multiple Sklerose
  • Querschnittslähmung
  • Demenzerkrankungen
  • Alzheimer

Symptome

  • Unwillkürlicher Urinverlust

Therapie

  • Selbstkatheterismus
  • Elektrostimulation
  • Operation

Ursachen und Komplikationen der Harninkontinenz

Es gibt verschiedene Auslöser für den unkontrollierten Urinverlust. Manche Personen leiden nur vorübergehend an den Symptomen einer Blasenschwäche, andere wiederum leben viele Jahre mit einer Inkontinenz.

Vorübergehende Harninkontinenz

Bestimmte Medikamente, Lebensmittel und Getränke können stimulierend auf die Blase wirken und dazu führen, dass Sie einen erhöhten Harndrang verspüren. Beispielsweise: Alkohol, Koffein, Schokolade, stark gewürzte Speisen, Zitrusfrüchte, Herz- und Blutdruckmedikamente und hohe Dosen von Vitamin C. Auch Harnwegsinfekte und Verstopfung können einen verstärkten Reiz auf die Blase erzeugen.

Anhaltende Harninkontinenz

Länger andauernde Harninkontinenz wird hauptsächlich durch körperliche Probleme oder Veränderungen verursacht.

So können die hormonelle Veränderung während einer Schwangerschaft und das Gewicht des Kindes zu einer Belastungsinkontinenz führen.

Die Geburt wiederum schwächt in vielen Fällen die Beckenbodenmuskulatur, worauf sich in weiterer Folge der Beckenboden senkt und die Blase nach unten rutscht. Daraus ergeben sich Probleme beim Urinieren, unwillkürlicher Harnverlust und vermehrter Harndrang.

Auch die Menopause kann Auslöser für eine Harninkontinenz sein. Durch die verringerte Östrogenproduktion verändert sich das Gewebe in der Blase und zieht manchmal eine Blasenschwäche nach sich.

Ein weiterer Grund für den unwillkürlichen Harnverlust ist das Alter der Betroffenen. Mit zunehmendem Alter lässt auch die Fähigkeit der Blase nach, den Urin zu speichern.

Weitere Informationen zur Inkontinenz finden Sie in diesem Beitrag.

Wann soll ich einen Arzt aufsuchen?

Sobald Sie merken, dass die Harninkontinenz Sie in Ihren täglichen Aktivitäten behindert und in Ihrem Alltag einschränkt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Obwohl sie häufiger auftritt, wenn Menschen älter werden, ist die Harninkontinenz keine unvermeidliche Folge des Alterns. Wenn die Harninkontinenz Ihre täglichen Aktivitäten beeinträchtigt, zögern Sie nicht, Ihren Arzt aufzusuchen. Für die meisten Menschen können einfache Änderungen des Lebensstils oder medizinische Behandlungen das Unwohlsein lindern oder die Harninkontinenz stoppen.

Pflegehilfsmittel bei Harninkontinenz

Um Betroffenen den Umgang mit der eigenen Blasenschwäche zu erleichtern, gibt es neben den Therapiemöglichkeiten unterschiedliche Inkontinenzhilfsmittel. Diese sind besonders zur Gewährleistung der Hygiene und einer einfacheren Meisterung des Alltags wichtig.

Je nach Schwere der Harninkontinenz gibt es verschiedene Hilfsmittel, wie etwa Vorlagen, Windeln, Bettschutzeinlagen, Inkontinenzslips oder Katheter.

Inkontinenzhilfsmittel hängen nicht mit dem monatlichen Pflegepaket mit Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch zusammen!